Heilige Anna in der Ikonografie und Kultur: zwischen Ost und West In der endlosen Reihe der Heiligen, deren Gesichter uns von Ikonen und Bildern ansehen, gibt es einen Bild, das einen besonderen Platz einnimmt. Nicht weil man es selten findet, sondern weil es immer in der Nähe des Hauptgeheimnisses des Christentums steht — der Gottesmutter und dem Jesuskind. Dies ist die Heilige Anna, die Mutter Marias, die Großmutter Jesu Christi. Ihr Bild bleibt oft im Schatten der lauteren Namen, aber sie ist es, laut kirchlichem Brauch, die Brücke zwischen Altem und Neuem Testament geworden. Ihr Bild in der Kunst und Kultur ist eine Geschichte über das lange Warten, über das Wunder der späten Mutterschaft und über die bescheidene, fast unsichtbare Heiligkeit, die alle christliche Kunst durchzieht, von den ersten byzantinischen Mosaiken bis zu den Gemälden der Renaissance. Wer ist die Heilige Anna Über das irdische Leben der Heiligen Anna wissen wir nicht aus den kanonischen Evangelien, sondern aus späteren apokryphen Quellen, insbesondere aus dem «Prot Evangelium Jakobus», das auf das 2. Jahrhundert datiert. Laut diesem Text war Anna die Ehefrau von Joakim, einem frommen und wohlhabenden Mann aus dem Geschlecht Davids. Viele Jahre lebten sie in einem kinderlosen Ehestand, was in der jüdischen Gesellschaft als großer Schandbrief und Zeichen des göttlichen Zorns galt. Eines Tages wurde Joakim während eines großen Festes die Erlaubnis verweigert, im Namen ganz Israel eine Opfer zu bringen, mit der erniedrigenden Formulierung: «Du bist nicht würdig, ein Opfer zu bringen, denn der Herr hat dich nicht durch Nachkommen gesegnet». In tiefem Kummer verließ Joakim die Stadt und ging in die Wüste, wo er 40 Tage aß und betete. Anna, die zu Hause geblieben war, betete auch im Garten. Und dann erschien ihnen beide ein Engel und verkündete, dass ihre Gebete gehört wurden — sie würden Eltern eines Kindes werden, von dem alle Völker sprechen werden. Neun Monate später wurde ihnen eine Tochte ...
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